
Der Jöchlsthurn, im Westen der Sterzinger Neustadt gelegen, ist in mehreren Bauphasen aus einem mittelalterlichen Stadtturm hervorgegangen. Dieses Ensemble gilt als Rarität unter den Tiroler Baudenkmälern. Ursprünglich als Wohnraum gebaut, wurde das Anwesen während seiner 700jährigen Baugeschichte mehrmals umgebaut.
Der bauliche Kern des Ansitzes Jöchlsthurn ist ein alter Stadtturm. Im 15. ]h. wurde daraus das Wohnhaus der Bergbauunternehmerfamilie Jöchl. In den Räumen mit spätgotischen Fresken und Holzdecken aus der gleichen Zeit sind Ausstellungen zur Bergbaugeschichte des Landes zu sehen.
Ursprünglich Verwaltungssitz der Familie Jöchl, jenes altehrwürdigen Geschlechts, dem der lange florierende Bergbau am Schneeberg seinen Aufstieg verdankte, ist der Jöchlsthurn heute Familiensitz der Grafen von Enzenberg.
Nach dem Aussterben der Jöchl diente er mehreren adeligen Familien als Wohnsitz. Von 1836-1980 waren im Jöchlsthurn das Bezirksgericht und andere Ämter untergebracht. Nach einer umfassenden Restaurierung wurde der Ansitz vom Land Südtirol angemietet und dem Landesbergbaumuseum zur Verfügung gestellt.
Der Jöchlsthurn bietet in Form von Schautafeln und Ausstellungsstücken eine Art Grundkurs zur Tiroler Bergbaugeschichte des Mittelalters und der frühen Neuzeit. Außerdem sind Mineralien, Münzen (Tiroler Prägungen der Münzsammlung des Vinzentinums) und Bilder ausgestellt.
Im Jöchlsthurn sind außer typischen Elementen aus den verschiedenen Bauphasen zwischen Gotik und Barock vor allem drei spätgotische Holzdecken und Wandfresken aus dem 15. und 16. Jh. zu bewundern. Obwohl die gotischen Stilmerkmale vorherrschen, wird an den Kunstdenkmälern im Jöchlsthurn auch der Einfluß der italienischen Renaissance sichtbar. Die Handelsstadt Sterzing kam mit der neuen geistigen Bewegung aus dem Süden früher in Berührung als andere Tiroler Orte.

