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Kloeppel

Die Prettauer Klöppelschule

Die Aufgabe der Prettauer Klöppelschule war die Ausbildung junger Klöpplerinnen, von denen dann zu Hause auch die älteren Frauen (und manchmal auch die Männer) das Klöppeln erlernten.

Die Grundzüge der Klöppeltechnik waren ja bereits bekannt, es ging vor allem darum, vom Klöppeln bloßer Meterware abzukommen und Muster zu verwirklichen, die der Mode der Zeit entsprechend gefragt und folglich auch zu vermarkten waren.

Zunächst kamen die Aufträge größtenteils vom Zentral-Spitzenkurs in Wien. Dann übernahmen die führenden Frauen der Klöppelschule auch den Vertrieb der Spitzen.

Ein großer Werbeeffekt ging von der Präsenz der Prettauer Klöpplerinnen auf der Tiroler Landesausstellung im Jahre 1893 aus.

Zusammen mit ihrer Tante Anna Mittermair klöppelte damals die erst neunjährige Rosa Mittermair in Innsbruck, die dann eine halbes Jahrhundert lang die wichtigste Repräsentantin der Prettauer Klöppelschule war.

Sie hat einen Bericht hinterlassen, in dem sie von ihrer Ausbildung und ihrer Arbeit und dem Aufschwung des Klöppelns in Prettau erzählt.

Es war vor allem ihr zu verdanken, dass die Klöppelschule sich von der Krise, in die sie der Abgang von Pfarrer Kleinlercher aus Prettau im Jahre 1903 gestürzt hatte, wieder erholte.

Sie hatte sich durch ihr Talent das Wohlwollen des Direktors des Wiener Zentral-Spitzenkurses Dr. Minkus erobert, der sie förderte, wo immer er konnte.

So absolvierte sie nicht nur den siebenmonatigen Kurs in Wien, sondern kam auch nach London und nach Idria in Slowenien, bevor sie nach Prettau zurückkehrte und dort an der k. k. (kaiserlich-königlichen) Klöppelschule zu unterrichten begann.

Da sie auch zeichnerisch ausgebildet war, gab sie den Prettauer Spitzen durch ihre Tendenz zu modernen Formen eine entscheidende Prägung. Ihr Stil kam bei den Kunden an.

Das letzte Jahrzehnt vor dam 1. Weltkrieg war eine Blütezeit der Prettauer Klöppelkunst. Der Krieg machte dann ein Ende und trotz eifrigen Bemühens wurde es nie wieder, wie es gewesen war.

Auf Krieg folgt meist die Not der Nachkriegszeit, und Notzeiten sind immer schlechte Zeiten für Luxusgüter, wie es Spitzen sind.

Der Anschluss Südtirols an Italien zwang auf die Prettauer Spitzenhändler, sich im italienischen Wirtschaftsraum neu zu orientieren, was leidlich gelang trotz Weltwirtschaftskrise und 30er Jahre.

Bei der Option im Jahre 1939 zeigte es sich dann aber, dass das Klöppeln allein nicht ausreichte, um den Menschen ein einigermaßen lebenswertes Dasein zu ermöglichen.

Damals stimmten die Südtiroler landesweit mit fast 90% für die Auswanderung ins Deutsche Reich, blieben dann aber doch da, wann immer es ging.

Aus Prettau aber wanderten besonders viele ab, was man als Spätfolge der Schließung des Bergwerkes sehen kann.

Die Garantin für Kontinuität in der Prettauer Klöppelszene war Rosa Mittermair verheiratete Kofler. Nach dem Kriege begannen die Kurse der Klöppelschule wieder. Mit ihr und nach ihr arbeiteten als Klöpplerinnen Aloisia Mittermair Voppichler, Hilda Duregger Brugger, Antonia Voppichler Rubner und Rosa Bacher Grießmair.

Seit den 80er Jahren war man bemüht, moderne Muster zu klöppeln und so den Zeitgeschmack besser zu treffen. Die von Rosa Bacher Grießmair entworfenen Klöppelbriefe wiesen in diese Richtung.

Bald orientierte man sich auch an bedeutenden Südtiroler Künstlern, so an Anton Hofer und Heiner Gschwendt, die Muster für Prettau zeichneten.

Der Meisterbrief wurde zur Voraussetzung für die Zulassung zur Klöppellehrerin. Im Jahre 1970 gab es auf der Internationalen Handwerksmesse in München für die Schule den Staatspreis der bayrischen Landesregierung einschließlich Goldmedaille.