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Gais

Schloss Kehlburg

In 1188 Meter Höhe bei Gais, von wo man einen weiten Ausblick sowohl ins Tauferer Tal als auch über das Brunecker Talbecken genießt, krönt die Ruine der Kehlburg den weithin sichtbar bewaldeten Hügelrücken.

Dieser früher eindrucksvolle Schlossbau wurde um die Jahrhundertwende von den Brixner Bischöfen errichtet. Den Grundstein zu der Burg legte wohl der hl. Bischof Albuin (975-1006). Er kaufte im Jahre 995 von dem Edelmann Liuto einen Hof auf dem Kehlburg-Plateau, auf welchem sodann die "Chela-Burg" errichtet wurde.

In den folgenden Jahrhunderten wurde die Kehlburg fast durchwegs zu Lehen oder zum Pfand gegeben. Im Jahre 1433 wird Jakob IV. von Luttach als Lehnherr von Kehlburg überliefert, welcher vorher dort Schlosspfleger war.

Als Folge des Streits zwischen Kardinal Cusanus und dem Herzog Sigmund kam es 1462 zu einem Kompromiß, wonach die Burgen des Hochstiftes (darunter auch Kehlburg) an Venedig übergeben wurden. Nach dem Ende dieses unseligen Zwistes wieder im Eigentum der Kirche, verlieh Bischof Golser 1487 die Burg dem Sigmund Dinkhauser aus Gais.

Sodann scheint die Dynastie der Herren von Rost in Kehlburg auf. Das Schloss blieb bis zum Jahre 1891, also 350 Jahre lang, im Besitz der Rostschen Familie.

Die Erneuerung der Kehlburg im 16. Jahrhundert

Hans II. von Rost zu Aufhofen, geboren 1494, wurde ein Edelmann von großem Format. 1521 übernahm er das Amt eines Richters und Pflegers der Herrschaft Uttenheim, und als sich 1543 das Gerücht vom Herannahen der Türken verbreitete, wurde er zum brixnerischen Hauptmann im Pustertal ernannt.

Seine Verdienste hierbei scheinen dazu beitgetragen zu haben, dass er zwei Jahre später mit Schloss Kehlburg belohnt wurde. Der Bischof schien in ihm auch den rechten Mann gesehen zu haben, der in der Lage war, die inzwischen arg verfallene Burg zu erneuern, und so machte er dem Hans von Rost bei der Lehensverleihung den Wiederaufbau der Schlossanlagen zur Bedingung.

Der neue Burgherr ging sogleich mit Elan an die Arbeit, und damit er fortan nicht allzusehr zwischen dem Sitz seiner Pflegschaft Uttenheim, seinem Wohnsitz Aufhofen und der Baustelle auf der Kehlburg hin- und hergerissen wurde, baute er in Gais ein neues Gerichtsgebäude mit Gefängnis und verlegte die Uttenheimer Gerichtsverwaltung dorthin. Gleichzeitig begann er mit der Erneuerung der Kehlburg.

Betritt man heute die Schlossanlagen durch einen über alten Grundmauern erneuerten Zwinger und durch das Rundbogentor, über dem ein Gußerker angebracht ist, so sieht man hier schon die ersten Zeugnisse der Rostschen Restaurierung. Im Burghof erblicken wir dann linker Hand die Schlosskapelle, die Rost seinerzeit ebenfalls erneuerte. Rechter Hand ist der Burghof vom Palas begrenzt, dessen heute noch erkennbare Gestalt im wesentlichen auf den Umbau des Hans von Rost zurückgeht. Dieser ließ auch am Palas mehrere Erker und Holzsöller anbringen. Das Innere der Burg erneuerte er völlig.

Bei allen Bauten tat Hans von Rost recht aktiv mit, und so rutschte er im Mai des Jahres 1577 auf einem Baugerüst an der Kehlburg aus und zog sich tödliche Verletzungen zu.

Die Rostschen Kehlburgbesitzer

Die Nachfolge des verdienstvollen Hans II. von Rost trat sein Sohn Karl Johann von Rost zu Aufhofen und Kehlburg an, der den Stamm des Geschlechtes fortpflanzte. Nach ihm wurde sodann sein Sohn Engelhard von Rost zu Aufhofen und Kehlburg Besitzer des Schlosses. Diesem aber fehlte die robuste Gesundheit seines Großvaters. Im Jahre 1602 richtete er auf der Kehlburg ein Erziehungsinstitut für zehn adelige Knaben ein.

Nachfolger auf der Kehlburg waren sein Sohn Hans Veit von Rost zu Aufhofen und Kehlburg, der 1639 starb, sodann sein Enkel Paul Alfons von Rost zu Aufhofen und Kehlburg (1628-1690). Dann erbte Johann Siegmund von Rost zu Aufhofen und Kehlburg (1653-1734) als Sohn des Letztgenannten das Schloss. Laut Familienchronik hinterließ dieser ein Tagebuch mit Aufzeichnungen über Ereignisse seiner Zeit.

Nachfolger im Besitz der Kehlburg wurden sodann in direkter Generationenfolge Johann Paul (geboren 1687) und Johann Josef Ignaz von Rost zu Aufhofen und Kehlburg. Letzter Sproß der einfachen adeligen Linie war schließlich Josef Karl von Rost, 1761 geboren und 1784 zum Priester geweiht. Er war Kooperator in Gais und dann Chorherr im Stifte zu Innichen, bis er 1809 verstarb.

So war es in der Folge der zweiten, freiherrlichen Linie derer von Rost vorbehalten, die Kehlburg in Besitz zu nehmen. Da war zunächst Josef Benedikt von Rost zu Aufhofen und Kehlburg, der im Jahre 1798 den im Rostschen Besitz befindlichen Ansitz Schrottwinkel zu Sand an die Grafen von Ferrari verkaufte. Sein Sohn und Nachfolger Karl, Rechnungsrat am Oberlandesgericht zu Innsbruck beschloss dann die lange Reihe der Rostschen Kehlburgbesitzer.

Karl von Rost verkaufte die Kehlburg im Jahre 1891 an den Weihbischof von Kaschau/Ungarn, Dr. Sigmund Bubics, der umgehend und mit großem Eifer enorme finanzielle Mittel aufwendete, um die äußerst vernachlässigten Burganlagen zu erneuern. Er stellte den gesamten Nordostteil der Burg wieder her und erneuerte auch das ganze Innere außerdem rettete er die Schlosskapelle vor dem anhaltenden Verfall.

Leider aber übernahm er sich dabei finanziell derart, dass er in Konkurs geriet und schließlich den gesamten Besitz wieder verkaufen mußte.

Neuer Besitzer der Kehlburg wurde nun im Jahre 1907 der reichsdeutsche Konsul Wilhelm Assia Steffen. Aber auch er hatte nicht lange Freude an seinem Besitz. Als Südtirol nach dem 1. Weltkrieg zu Italien kam, ging mit dem ausländischen Eigentum auch die Kehlburg an den Staat. Von diesem erwarb sie dann Commendatore Vascellari, ein Industrieller aus Cadore, dessen Erben besitzen sie mit den umliegenden Gütern und Wäldern heute noch.

Ein schwarzer Tag für die Kehlburg wurde der 30. April 1944. Weithin konnte man an jenem Abend die Flammen des brennenden Schlosses lodern sehen; und bis heute weiß niemand, wie der Brand ausgebrochen ist. Leider nicht mehr aufgebaut, zeigt sich die Burg somit gegenwärtig nur mehr als Ruine.

Einst ein vielgesuchter Nothelfer: St. Erasmus von Kehlburg

Im Jahre 1944 brannte das Schloss ab, doch der Gaisinger Pfarrer Anton Hopfgartner sorgte alsbald dafür, dass das Heiligtum wieder ein neues Dach bekam und so weit hergestellt wurde, dass darin die hl. Messe gelesen werden konnte. Es waren seit alters verschiedene Kreuzgänge nach Kehlburg, besonders von Gais und seinen Filialkirchen aus, gestiftet worden, die nun wieder stattfinden konnten.

Auch am dritten Sonntag nach Michaeli, dem Kirchweihfest von Mühlbach, kamen Wallfahrer aus dem ganzen Gericht Taufers nach St. Erasmus auf der Kehlburg. Man ging von der Tauferer Pfarrkirche aus, hielt in jeder Kirche unterwegs eine kurze Andacht (Mühlen, Stockkapelle Uttenheim, Pfarrkirche Uttenheim, Schlosskapelle Neuhaus und Pfarrkirche Gais) und zog sodann nach der Anrufung des heiligen Erasmus von Kehlburg über Tesselberg zum Mühlbacher Kirchweihfest. Lange Zeit war so St. Erasmus in der Schlosskapelle über das Tauferer Tal hinaus als Wallfahrtsziel bekannt, denn er galt als ein geschätzter Nothelfer in Krankheiten, besonders bei Bauchschmerzen und Magenleiden.

Der Kehlburger Waal

Für die Versorgung des Schlosses war die ausgedehnte Gaisinger Mure seit eh und je wertvolles Wiesen- und Ackerland, das jedoch der künstlichen Bewässerung bedurfte. So entstand zu Füßen des Burghügels, quer zum Murenkegel, der zwischen Mühlbach- und Bärental verlaufende Waal, ein U-förmiger Graben mit kaum merklichem Gefälle und abzweigenden Rinnsalen. Etwas unterhalb des Bärentalhofes beginnt der "Waalweg", er führt durch einen schönen, geschlossenen Wald, in dem man stets auf weichem Nadelteppich wandert und ein Stück Waldeinsamkeit erlebt, die dem flüchtigen Reisenden auf der Straße stets verborgen bleibt. An einer besonders hübschen Stelle hat man über einem Abgrund eine luftige, wetterschützende Kanzel in die Felsennische gezimmert.

Die Kehlburg und "ihr Dichter"

In das reiche literarische Leben des 19. Jh. der kunstfreudigen Stadt Buneck war auch die Kehlburg nicht unbedeutend einbezogen. Hermann von Gilm, der wohl namhafteste Tiroler Lyriker seiner Zeit (1812-1864); zudem geistiger Mittelpunkt der Brunecker Kasinogesellschaft, ließ die "Kehlburger Maifestspiele" zu künstlerischen und gesellschaftlichen Höhepunkten werden.